6. Jänner 2013, Über die Heilige Messe …

Warum überhaupt am Sonntag zur Heiligen Messe gehen?
Es ist sicher eine Sache des Glaubens, also der Grund dafür muss irgendwie auch im Glauben der Christen liegen …

6. Jänner 2013, Gottesdienst ...
Foto: Eva Kleedorfer / Grafik: Herbert Schalk

„Erhebet die Herzen! Empor die Herzen!“
So spricht der Priester zu uns in der Heiligen Messe (zu Beginn des Hochgebetes).

Und wir antworten darauf:
„Wir haben sie beim Herrn!“

Was kann das heißen? Was könnten diese doch recht ungewöhnlichen Worte für einen Sinn haben?

„Da ist mir das Herz in die Hose gerutscht“ sagt man vielleicht manchmal, wenn man meint: „Da habe ich mich ordentlich geschreckt“ oder „Da habe ich mächtig Angst gehabt“ …
„Du hast mir das Herz gebrochen …“ Wenn man so etwas sagt, kommt eine tiefe Traurigkeit zum Ausdruck, eine wirklich tiefe Verletzung und Enttäuschung.
„Da ist mir ein Stein vom Herzen gefallen“ – da meint man wieder so etwas wie eine große Erleichterung, dass etwas so gut geworden ist, wie man es gar nicht zu hoffen gewagt hätte.

„Empor die Herzen!“ könnte also vielleicht so etwas meinen wie „Kommt doch heraus aus aller Traurigkeit, aus dem Trübsinn, aus der Bitternis, aus dem, dass das Leben vielleicht doch keinen guten Sinn hat. Kommt heraus und macht euch auf, öffnet euch, denkt an eure Hoffnung, an eure Kraft und euren Mut, denkt an die Freude und an die Liebe, alles Geschenke Gottes! Denkt weit hinein ins Leben! Schaut euch auch um, da sind auch andere Menschen, auch sie sollen ihre Herzen erheben und zur Freude finden, ganz weit in unser Leben hinein, hin bis zu Gott und seiner ewigen Liebe …

„Wir haben unsere Herzen beim Herrn“ sagen wir – es klingt so einfach. Das kann man aber natürlich nur (von Herzen, also ehrlich) sagen, wenn man echt versucht hat, in diese Weite hinein zu denken – bis hin zum „Herrn“, zu Gott. Gott ist in Jesus Christus ganz zu uns gekommen, Jesus ist wie unser großer Bruder, er hat immer wieder gezeigt, dass nicht Hass oder Vergeltung oder Bitterkeit oder Ablehnung das letzte Wort hat, sondern Güte und Verzeihen und Freundlichkeit, mit einem Wort: Liebe – immer und ewig und über alle Schwierigkeiten hinweg. Zuletzt und zutiefst hat Jesus es gezeigt, indem er sein Leben hingab. Nicht einmal der Tod hat das letzte Wort – so verspricht es unser Glaube -, sondern die Auferstehung, der Sieg der ewigen Liebe Gottes …

„Ich habe mein Herz beim Herrn“, vielleicht könnte ich so denken: „Ja, ich habe echt immer Sehnsucht nach dieser guten Liebe, ich hoffe wirklich, dass mein Leben von Gott ganz getragen ist, egal, was passiert, ich bin durch Jesus ganz eingebunden in Gott, der mich mit seiner allmächtigen Liebe für immer halten und nie im Stich lassen wird. Dazu stehe ich …“


Hast du gewusst, dass „credo“ (lateinisch) „ich glaube“ – eigentlich auch diese Grundbedeutung hat: „Ich gebe mein Herz“ („cor“ ist das „Herz“, „dare“ heißt „geben“)?


Einen schönen Sonntag und eine gute Woche
wünscht dir
Diakon Herbert Schalk


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