„Sei ein Spieler!“

Football iu 1996
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Joel stand kurz vor seiner Bar Mizwa. Einige Wochen vorher durfte er dem Rabbi einen Besuch abstatten.
Der Rabbi begrüßte Joel und seinen Vater mit einem freundlichen Händedruck. Dann segnete er den Buben, dass er wachsen möge und eine Freude für die Gemeinde und seine Familie werde.
Schließlich stellte der Rabbi eine ungewöhnliche Frage an Joel: „Bist du ein Fussball-Fan?“ Joel bejahte. „Von welcher Mannschaft?“ Joel nannte die Mannschaft. „Ist auch dein Vater ein Anhänger dieser Mannschaft?“ „Ja“, antwortete Joel. „Nimmt er dich zu den Spielen mit?“ fragte der Rabbi weiter. „Hin und wieder“, sagte Joel. „Erst vor drei Wochen habe ich ein Spiel mit ihm gesehen.“ „Wie war das Spiel?“, fragte der Rabbi. „Es war enttäuschend“, meinte der 13-jährige. „Bereits nach der ersten Halbzeit ist unsere Mannschaft 3:0 hinten gelegen. Deshalb haben wir schon früher das Stadion verlassen.“
Da fragte der Rabbi: „Und haben auch die Spieler das Spiel verlassen, als ihr gegangen seid?“ „Aber nein, Rabbi. die Spieler können nicht mittendrin das Spiel verlassen“, erklärte Joel.
„Warum nicht?“, fragte der Rabbi lächelnd. „Erkläre mir, wie das Spiel funktioniert.“ Joel sagte: „Das ist so: es gibt Spieler, und es gibt Anhänger. Die Anhänger können gehen, wann immer sie wollen. Denn sie sind nicht Teil des Spiels. Das Spiel geht auch ohne sie weiter. Aber die Spieler müssen bleiben. Sie müssen bis zum Ende des Spiels versuchen, das Spiel zu gewinnen.“
Da lächelte der Rabbi erneut und sagte: „Das ist eine Lehre, die ich dir auch in Bezug auf die Religion geben will. Du kannst ein Anhänger oder aber auch ein Spieler sein. Sei ein Spieler!“

[Quelle: Regenbogen Nr. 33/2010, Rabbinische Geschichten zum Weiterdenken]


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