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„Der König, der Weise und der Narr“ …

8. Juli 2011, "Der König, der Weise und der Narr" ...Foto und Kurzbeschreibung aus www.amazon.de:

Eine geistreiche und schwungvoll erzählte Fabel über die großen Religionen der Welt. Es beginnt wie im Märchen. Von seltsamen Träumen beunruhigt, befolgt der König eines fernen Landes den Rat seines Weisen und seines Narren und läßt den ersten großen Wettstreit der Religionen einberufen. Sein Volk braucht eine Religion. Doch welche? Wie soll das entschieden werden? Sorgfältig ausgewählte Repräsentanten der Weltreligionen und des Atheismus treten nun an, dem König und seinem Volk die Besonderheiten der eigenen Glaubensrichtung vorzustellen und zu empfehlen.

Der Autor Shafique Keshavjee, Jahrgang 1955, wurde als Sohn indischer Eltern in Kenia geboren. Er studierte Politikwissenschaften und Theologie in der Schweiz und promovierte über den großen Religionswissenschaftler Mircea Eliade. Shafique Keshavjee ist einer der Initiatoren der ökumenischen Begegnungsstätte l´Arzillier in Lausanne …


Einige Zitate aus dem Buch von Shafique Keshavjee
„Der König, der Weise und der Narr“ …


„Er [der König] hatte sich erhoben und ließ vom Fenster aus die Blicke über sein Königreich schweifen.
Ich habe ihnen Arbeit und Freizeit gegeben, Brot und Spiele. Vielleicht aber fehlt meinem Volk ein tieferer Sinn, nach dem es sein Leben ausrichten kann. Mein Volk braucht eine Religion!“
[Seite 24]


„Nachdem der Weise seine Rede beendet hatte, erhob sich der Swami und ging auf den Professor zu. Er nahm die Blume, die er ihm vorher gegeben hatte, und reichte sie ihm nochmals mit folgenden Worten:
Ein Mensch ohne Gott ist wie eine Blume ohne Erde. Nicht das Absolute ist Ursache seines Dahinwelkens, sondern seine absolute Entwurzelung …“
[Seite 58]


„Ein buddhistisches Gleichnis: Eines Tages fragte ein Samurai den Zen-Meister Hakuin: Existiert die Hölle wirklich? Und wie ist es mit dem Paradies? Und wenn sie existieren, wo befinden sich dann die Eingangspforten? und wie kommt man hinein?“ Dieser Samurai war von schlichtem Gemüt. Er plagte sich nicht mit Philosophie herum und wollte nur wissen, wie man in den Himmel kommen und der Hölle entgehen könne. Hakuin antwortete ihm daher in einfachen Worten, damit ihn der Samurai verstehen konnte. Wer bist du?, fragte er. Ich bin ein Samurai, antwortete der Mann. Ein japanischer Samurai ist ein perfekt ausgebildeter Krieger, der keine Skunde zögert, sein Leben zu opfern, wenn es notwendig ist. Ich bin der Erste der Samurai, fuhr der Besucher stolz fort. Sogar der Kaiser zollt mir Respekt. – Du, ein Samurai?, spottete Hakuin. Du machst mir eher den Eindruck eines armseligen Spitzbuben. In seiner Ehre gekränkt, vergaß der Samurai den Anlass seines Besuches und zog sein Schwert. Hier haben wir schon die erste Pforte, sagte Hakuin lächelnd. Das Schwert, die Wut, die Eitelkeit und das Ego sind die Pforten der Hölle. Der Samurai verstand die Lektion und steckte das Schwert zurück in die Scheide. Und hier ist die andere Pforte, nämlich die zum Paradies, belehrte in Hakuin …“
[Seite 70f.]


„Wir Juden betrachten Gott als den Schöpfer der Welt; die ist verschieden von ihm. Das hebräische Wort für diese Schöpfung heißt Bara und ist verwandt mit dem Adverb bar, das ‚außerhalb von‘ bedeutet. Gott hat beim Schöpfungsakt die Welt praktisch hinausgeschleudert, ausgestoßen, wie eine Mutter es bei der Geburt mit dem Kind tut. Wenn man sagt, dass Gott die Welt ‚ex nihilo‘, aus dem Nichts erschaffen hat, dann bedeutet dies, dass das Universum aus dem Innersten Gottes hervorgebracht wurde. Nach der jüdischen Mystik, der Kabbala, ist Gott das ursprüngliche Nichts. Außerdem ist er das höchste ‚ICH‘. Er ist daher zugleich die Leere, von der die Buddhisten sprechen, und das Selbst, wie es die Hindus erklären. Im Übrigen sind im Hebräischen die Wörter für ‚NICHT‘ und ‚ICH‘ Anagramme. Ersteres heißt ‚AYN‘, Letzteres ‚ANY‘ …“
[Seite 114]


„Wenn du frei sein willst, sei ein Gefangener der Liebe. Wenn du Freude willst, öffne deine Brust den Leiden der Liebe. Der Wein der Liebe bringt Wärme und Trunkenheit; ohne ihn gibt es nur eiskalten Egoismus. Du magst vielen Idealen hinterherrennen, doch nur die Liebe wird dich von dir selbst befreien. Sie ist der einzige Pfad, der zur Wahrheit führt …“
[Seite 131]


„… Doch solange in vielen Ländern die Analphabetenrate so unverhältnismäßig hoch bleibt wie heute, wird es immer wieder Mullahs geben, denen es gelingt, die Massen im Namen des Dschihad aufzuhetzen.
Der Weise wollte gerade eingreifen und daran erinnern, dass der Nationalsozialismus, eine der schlimmsten Barbareien in der Gschichte der Menschheit, keineswegs in einem Land mit hoher Analphabetenquote entstanden war, sondern gerade bei einem der kultiviertesten Völker der Erde. Ausbildung allein reiche daher offenbar nicht, teuflische Entgleisungen der übelsten Art zu verhindern …“
[Seite 152]


„… Doch schon hatte der Buddhist wieder das Wort ergriffen: Meine zweite Frage betrifft nur ein Detail. Wie Sie wissen, haben wir heute Abend Vollmond. Nun ist es in den Ländern mit Theravada-Glaubenstradition üblich, jedes Jahr im Monat Mai bei Vollmond das Vesak-Fest zu feiern … Mit diesem Fest erinnern wir zugleich an die Geburt, die Erleuchtung und den Übertritt des historischen Buddha ins Parinirvana, in die totale Auslöschung. Warum assoziieren auch Sie als Muslim den Mond mit dem Paradies?
Im Islam spielt die Mondsichel in der Tat eine wichtige Rolle. Im Arabischen ähnelt das N, das ‚Nun‘ an eine Mondsichel mit einem Punkt darüber. ‚Nun‘ kann aber auch ‚Fisch‘ heißen, wobei der Fisch nach einem Gleichnis des Koran das Zeichen für ewiges Leben ist. Die Mondsichel ist außerdem das Symbol der Wiederauferstehung, da sie sowohl eine geschlossene als auch eine offene Figur darstellt, vergleichbar mit dem Menschen, der eingeschlossen ist im Tod, bevor ihm durch die Auferstehung geöffnet wird …“
[Seite 152f.]


„Es ist außerdem erwiesen, dass Allah und die Silbe El im hebräischen Elohim aus ein und derselben semitischen Wurzel stammen, die wahrscheinlich ’stark‘, ‚früher als alles‘ oder ‚Der, nach dem man strebt (sich sehnt) und an den man sich wendet‘ bedeutet …“
[Seite 153]


„Mir scheint, grob verallgemeinert, dass Hindus und Buddhisten zum Zewck der Meditation und der innersten Versenkung eine sitzende Haltung bevorzugen, dass die Muslime ihrerseits das Niederwerfen vom Stehen in eine liegende Postion als Zeichen der Gehorsamkeit Allah gegenüber praktizieren, während die Christen besonders auf das Aufstehen aus dem Liegen ihr Augenmerk richten, welches den Übergang vom Tod zur Auferstehung symbolisiert. Die besondere Botschaft für die Juden dagegen lautet: Lauft! Der Auszug aus Ägypten und der Marsch in Richtung des Gelobten Landes sind Symbole für den Weg aus der Sklaverei in die Freiheit …“
[Seite 169]


„… Er dachte dabei an das Sprichwort: Ein Rabbi, dem nicht widersprochen wird, ist kein richtiger Rabbi …“
[Seite 169]


„Den Evangelien zufolge wurde Jesus ans Crucifix geschlagen. Dies wird im Koran geleugnet; für die Christen jedoch ist es von zentraler Bedeutung. In Jesus hat Gott, der Sohn, den Tod gefunden wie alle anderen Menschen. Er ist nicht in der Glückseligkeit des Himmels geblieben, fern von den Schrecken dieser Welt. Nein, er ist nicht nur human geworden und hat das menschliche Schicksal durch seine Inkarnation erfahren, sondern er hat höchstes Leid auf sich genommen, indem er sich kreuzigen ließ. Tot wie die Menschen und getötet von den Menschen – die seinen Protest gegen ihre Machtanmaßung nicht hören wollten – ist er für die Menschen gestorben. Durch seinen Tod hat Jesus das Böse, Krankheit und Tod auf sich genommen und er hat uns dafür Verzeihung und ewiges Leben gebracht …“
[Seite 207]


„… Der Narr hatte den Blick gesenkt, und im Publikum herrschte absolute Stille.
So wurde Christus für uns ans Kreuz geschlagen, damit die Welt erfahre, dass die Vergebung Gottes größer ist als die Sünde und dass das Leben Gottes stärker ist als der Tod. Haben Sie eigentlich einmal bewusst den Mond betrachtet?
Der König und der Weise wurden starr vor Schreck.
Jeden Monat verschwindet er drei Nächte lang und ist für uns nicht mehr zu sehen. Doch danach erscheint er wieder und wächst heran zu einer runden, vollen Scheibe. Dies ist ein wunderbares Symbol für den Gekreuzigten: Für uns gestorben, ist er auferstanden und erscheint am dritten Tage wieder, um unser Leben zu erleuchten …“
[Seite 209f.]


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