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Die Legende vom vierten König

1. Dezember 2012, Joannis Permeniatis - Anbetung der Könige, 16. Jh. ...
By Ioannis Permeniatis (attribution) [Public domain], via Wikimedia Commons

Im Morgenland erzählt man, dass nicht drei, sondern vier Könige auf dem Weg waren, um den neugeborenen König zu ehren.

Der vierte König kam hoch aus dem Norden. Er hatte als Geschenk für den König der Welt drei funkelnde Edelsteine im Gürtel. Auf seinem weiten Weg sah er viel Elend. Er konnte nicht vorbeigehen, ohne zu helfen.

Als er eines Tages ein ausgesetztes Kind fand, kaufte er mit einem der Edelsteine einen Platz im Waisenhaus für das Kind. Einer Mutter mit vielen Kindern verhalf er mit der Weggabe des zweiten Steines dazu, dass sie nicht aus dem Haus geworfen wurde. Und einem Mann, der den König beleidigt hatte und deswegen in die Verbannung geschickt werden sollte, erwarb er mit dem dritten Stein die Freiheit. Dann gab er, um Not und Leid zu mildern, sein Pferd, seinen Mantel und seinen Schmuck. Und als er nichts mehr zu geben hatte als seine eigene Kraft, tat er Arbeit für andere, pflegte Kranke und duldete sogar Strafen für andere.

So kam er erst um viele Jahre später im heiligem Land an. Alt und Müde, ohne Gabe, doch voll innerer Freude trat er durch die Tore Jerusalems. Da war ein großes Gewimmel. Er wurde einfach mitgerissen und stand plötzlich vor einem Mann, der am Kreuz hing. Über ihm stand geschrieben: „Jesus von Nazareth, König der Juden“.

Der Sterbende am Kreuz schaute geradezu auf ihn herab – mit gütigen Augen. Da kniete der vierte König nieder und sagte: „Herr, endlich bin ich da, wohl mit leeren Händen, aber mit reichem Herzen.“ – „Ich weiß“, sprach der Herr am Kreuz, „doch alles, was du den Geringsten unter den Menschen getan hast, das hast du mir getan.“

Und er hieß den vierten König die Hände falten, und drei Blutstropfen fielen in sie hinein. Dann neigte der Herr das Haupt und starb. Als aber der vierte König seine Hände aufmachte, um nach den Blutstropfen zu sehen, da waren es drei köstliche rote Edelsteine geworden.

1. Dezember 2012, Peter Gertner, Kreuzigung (Detail), 16. Jh. ...
By Peter Gertner (German, active early 16th century) (Walters Art Museum: Home page Info about artwork) [Public domain or Public domain], via Wikimedia Commons


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